Baustellen-Reportage: Erich-Kästner-Realschule Plus
Video: Modernisierung in der EKS
Man hört es immer wieder: Viele Betroffene sehen den Wiederaufbau nach der Flut auch als Chance zur Modernisierung. So sieht es auch der Schulleiter der Erich-Kästner-Realschule Plus in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Marco Bastiaansen. Er will die Bauarbeiten nutzen und für seine Schüler einen modernen und nachhaltigen Lernort schaffen.
Ein Besuch im Frühjahr 2024
Bad Neuenahr. Morgens um halb zehn an der Erich-Kästner-Realschule Plus (EKS). Die erste große Pause beginnt und die Schüler kommen aus dem Gebäude auf den Schulhof. Wo eben noch ein Entenpaar gemächlich watschelte, spielen die ersten Jungen Fußball. Zoe (15), Marcella (13), Maurice (15) und Matteo (15) haben sich an einer Bank versammelt und frühstücken, auch Brötchen aus dem Schulkiosk. Das Angebot dort habe sich verändert, so gäbe es keine Kleinigkeiten für 50 Cent, ist aus der Grupp zu hören. Auch sei der Schulhof verkleinert worden, was sie bedauern. Sie wünschen sich mehr Möglichkeiten auf dem Schulhof, der ihrer Ansicht nach auch etwas Farbe vertragen könnte. Sie vermissen Aufenthaltsräume und finden, dass die Wege in die Klassenräume teilweise durch Umwege lang sind. Schule mit Baustelle sei ein bisschen nervig, sind sie sich einig. Einem aus der Gruppe wäre es lieber, wenn der Unterricht in Container statt finden würde, die anderen sind froh an der Schule zu sein.
Derweil kämpft Schulleiter Marco Bastiaansen in seinem Büro mit der Technik. An diesem Morgen gibt es Probleme mit dem Internet. Er hat gerade keinen Zugriff auf Stundenpläne und aktuelle Informationen, auch für die Unterrichtsgestaltung wird eine stabile Internetverbindung benötigt. „Der Glasfaseranschluss soll in der ersten Hälfte des Jahres erfolgen,“ berichtet er. Bastiaansen ist seit November 2023 Schulleiter an der EKS.


Er habe hier hilfsbereite Kollegen gefunden und die Stadt sei ein verlässlicher Partner. Der Zusammenhalt zwischen Schülern, Lehrern und Eltern sei an der Schule besonders groß, berichtet er. Dies zeige sich beispielsweise in der Gesamtkonferenz: die Arbeitsgruppen seien sehr aktiv, es werde sich gegenseitig unterstützt, die Schulentwicklung komme von Innen, alle seien sehr engagiert. Dieser Zusammenhalt sei nach der Flut entstanden, als alle mit vereinten Kräften dafür gesorgt hätten, dass bereits nach den Sommerferien 2021 wieder Unterricht in der Schule möglich war, ist er sich sicher. Bastiaansen, der die Fächer Sport und Geografie unterrichtet, ist sehr froh darüber, dass es seit einigen Tagen wieder möglich ist, den Sportunterricht in der Halle zu geben. „Die Kollegen haben sehr gelitten, denn der Sportunterricht hat drei Jahre auf dem Schulhof statt gefunden,“ sagt er. Die Kollegen haben alle Unterrichtsmaterialien, die sie brauchen und hatten sich mit der Situation arrangiert. Alle spüren die allmählichen Verbesserungen. In den nächsten Tagen werde ein weiterer Raum für den naturwissenschaftlichen Unterricht fertig gestellt, berichtet er weiter. Doch es fehlen Differenzierungsräume, Räume für die Ganztagsbetreuung oder Rückzugsräume für die Schüler, ein PC-Raum und eine Bibliothek, listet er auf. Schmerzlich vermisst er auch Werkräume und Räume für den Bereich Hauswirtschaft, denn zum pädagogischen Konzept der EKS gehört es, die Kinder und Jugendlichen gezielt auf eine praktische Ausbildung vorzubereiten. Diese frühzeitige Berufsorientierung trüge gerade Früchte, die Rückmeldungen von den Berufsschulen seien sehr positiv und die Eltern würden erkennen, dass ein handwerklicher Beruf für ihre Sprösslinge angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels durchaus eine Alternative sein kann.
„Nach und nach kann man Häkchen an die Liste der noch fehlenden Dinge machen, aber es ist auch noch Vieles offen,“ fasst er zusammen. Dessen ist sich auch Guido Will, Gebäudemanager der Stadt Bad Neuenahr, bewusst. Zusammen mit Anne Bläser vom Architekturbüro Wolf, verschafft er sich einen Überblick über den Stand der Arbeiten. An der EKS sind die Technikräume zusammen mit den Räumen für den naturwissenschaftlichen Unterricht in den ersten Stock verlegt worden, wo sie vor künftigen Hochwasserereignissen besser geschützt sind. Ein Teil des Untergeschosses ist bereits nutzbar, dort befindet sich derzeit die Mensa. Möglich seien die Bauarbeiten an der Schule bei laufendem Betrieb u.a. deshalb, weil es ausreichend Platz gegeben habe, berichtet Will. So sei auch die Idee entstanden, die Basis der „Offene Kinder- und Jugendarbeit“ (OKUJA) in der Schule unterzubringen. Die OKUJA hatte ihren Stützpunkt vor der Flut an den Ahr-Thermen. Jetzt bekommt diese Einrichtung, die Ferienprogramme anbietet und Jugendarbeit in den Stadtteilen betreibt, Büro-, Lager- und Beschäftigungsräume in der Schule. Diese Räume müssen allerdings so liegen, dass sie auch außerhalb der Schulzeiten nutzbar sind. Das erforderte zusätzliche Bauanträge und Genehmigungen.


Der Innenausbau im Untergeschoss kommt gut voran, sind sich Will und Bläser einig. Elektrokabel und Wasserleitungen werden an der Decke verlegt und verschwinden später unter der Akustik- Decke. Außerdem erleichtert diese Bauweise nachträgliche Änderungen. In den Sanitärräumen für die Hausmeister sind schon die Wasseranschlüsse zu erkennen, ebenso die Aufteilung der Räume und die spätere Essensausgabe im Hauswirtschaftsbereich. In den Räumen hängen an den Fenstern Pläne, so dass die Handwerker wissen, was zu erledigen ist. Durch die Größe der Baustelle können die Ausbaugewerke rotieren, ein großer Vorteil, so Will weiter. In den Pfingstferien werde der derzeitige Haupteingang fertig gestellt, d.h. Heizung und Bodenbelag werden erneuert und Malerarbeiten ausgeführt. Ziel sei es, den Innenausbau bis zum Ende des Jahres abzuschließen.
Insgesamt habe sich die Situation etwas entspannt, berichtet er. Jetzt bekäme die Stadt wieder mehr und günstigere Angebote auf ihre Ausschreibungen. Außerdem werden die Ausschreibungen wieder detaillierter gemacht, was sicherstelle, dass bei der Ausführung der gewünschte Standard erreicht werde und die eingehenden Angebote besser zu vergleichen sind. In seinem Büro stehen bereits mehr als 20 Ordner mit Unterlagen, bei der Architektin sind es noch mehr.
„Schule lebt,“ sagt Will. Deshalb haben sich die Planungen nicht nur an den aktuellen Erfordernissen orientiert, sondern viele Räume seien so konzipiert worden, dass sie multifunktional nutzbar sind. Schwerpunkt sei zunächst, dass die Arbeiten im Gebäude abgeschlossen werden, bevor es an die Außenflächen geht. Es sollen zwei Badminton-Plätze entstehen und ein Parcours für Fahrrad- und Mofafahrer, der auch für die Verkehrserziehung genutzt werden kann. An der provisorischen Sporthalle entstehen Sportplätze, der Baubeginn dafür ist im Oktober 2024 geplant.
„In zwei Jahren steht hier wieder was Tolles,“ ist Guido Will zuversichtlich.

Kerstin Sievert
Freie Journalistin
Aufgewachsen in Bremen, hat Kerstin Sievert nach dem Abitur für Ausbildung und Berufstätigkeit in verschiedenen Städten gelebt. Nach einem Auslandsaufenthalt ist sie ins Rheinland gekommen und lebt seit 2005 in Bonn. Sie ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

