Gewässerwiederherstellungskonzept


Durch die Flut im Juli 2021 wurde die Umgebung der Ahr im gesamten Stadtgebiet großflächig beschädigt oder zerstört, sodass
eine umfassende Wiederherstellung des Flusses mit seinen umliegenden Freiflächen, Straßen und Wegen notwendig ist.
Mit den umfangreichen Planungen startete zeitnah nach dem Ereignis die städtische Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG), die 2023 ein Konzept ausgearbeitet und vorgestellt hat. Die darin enthaltenen Ideen werden nun Teil der konkreten Maßnahmenplanung.

Übergeordnetes Ziel ist der bestmögliche Schutz von Leben, Infrastruktur und Eigentum beidseits der Ahr vor einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ100). Der Zustand vor der Flut kann nicht 1:1 wiederhergestellt werden. Daher werden die Ahr-Ufer-Flächen so gestaltet, dass sie Hochwasserschutz bieten und zugleich naturnahe, attraktive Aufenthaltsbereiche schaffen. Insgesamt tragen sie zu einer ökologischen, nachhaltigen und klimabewussten Aufwertung von Bad Neuenahr-Ahrweiler bei.

 

Eine Übersicht über das gesamte Konzept finden Sie hier:

#wiederbunt-Magazin - Sonderausgabe G ewässerwiederherstellung

 

Das ausführliche Konzept der AuEG finden Sie hier: 

Gewässerwiederherstellungskonzepte Bad Neuenahr-Ahrweiler

 

Neu: Erklärvideo "Gewässerwiederherstellung"

Unter dem Motto "#wiederbunt in 90 Sekunden"  sollen komplexe Themen in kurzer und verständlicher Weise dargestellt werden. Die Gewässerwiederherstellung ist eines der wichtigsten Konzepte in Bad Neuenahr-Ahrweiler, um den Wiederaufbau an den Hochwasserschutz anzupassen.

 

Wozu dient das Video?

HQ100, Retentionsfläche & Co. – viele Begriffe, die beim Wiederaufbau und Hochwasserschutz  immer wieder fallen. Die meisten Bauprojekte hier in Bad Neuenahr-Ahrweiler werden im Hinblick auf den Hochwasserschutz angepasst und benötigen daher besondere Maßnahmen. Doch wobei es sich bei diesen Begriffen rund um den Hochwasserschutz und die Gewässerwiederherstellung handelt, ist oft nicht so einfach nachzuvollziehen. Um diese Komplexität verständlich zu machen, visualisiert das Video genau das.  Erfahren Sie, wie die Ahr wieder mehr Raum bekommt, Hochwasser besser reguliert wird und gleichzeitig wertvolle Lebensräume erhalten bleiben.

Das Video veranschaulicht in ansprechendem Stil und freundlichen Farben, wie Bad Neuenahr-Ahrweiler aufgebaut wird: Mit Blick auf die Ahr und die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. So wird ein komplexes Thema in nur 90 Sekunden ganz einfach.

 Hier anschauen

Welche Maßnahmen sind vorgesehen?

Verbreiterung der Sohle und Aufweitung des Flussbettes

Durch die Verbreiterung der Flusssohle und den Abtrag von Vorlandflächen erhält die Ahr mehr Raum, sodass ein hundertjährliches Hochwasser (HQ100) sicherer abfließen und zugleich neue ökologische Lebensräume entstehen können.

Multifunktionaler Retentionsraum

Angrenzende Freiflächen werden gezielt als überflutbare Retentionsräume gestaltet, um Hochwasserspitzen aufzunehmen. Dort liegende Gebäude und Anlagen werden überflutbar konzipiert.

Technischer Hochwasserschutz

Wo notwendig, wird ergänzend technischer Hochwasserschutz entwickelt, z.B. Pralluferwände, Wallanlagen, Neuplanungen von Brücken mit größerer Spannweite bzw. als Hubbrücken.

Optimiere Wegeverbindungen

Auf der Nordseite der Ahr werden die Freianlagen durch den Ahrradweg sowie eine durchgehende Ahrpromenade verbunden. Im Süden werden die Freianlagen durch einen örtlichen Geh- und Radweg erschlossen. 

Der Bereich Walporzheim - Spiel, Sport und Naturerleben

Der Ahrbereich in Walporzheim wird naturnah, hochwasserangepasst und vielseitig nutzbar neu gestaltet. Ziel ist ein überflutungs-resilienter, attraktiver Raum für Bewegung, Begegnung und Naturerleben.

  • Gewässerumbau: Verbreiterung der Ahr, Absenkung des Vorlands, naturnahe Ufergestaltung

  • Sport & Veranstaltungen: Neuer Fußball- und Multifunktionsplatz mit Tribüne, durchflutbarer Balustrade, barrierefreien Toiletten und Veranstaltungsinfrastruktur

  • Spiel & Natur: Neuer Spielplatz mit integrierter Kletterwand, Naturerfahrungsraum mit Blühflächen und Wiesenhügeln

  • Biodiversität: Naturnahe Wiesen, Bäume und Blühinseln, begrünter Erdwall als Hochwasserschutz

  • Mühlenteich: Teilweise Offenlegung, Quellbereich, neue Fußgängerbrücke

  • Verkehr & Parken: Ahrradweg entlang der Ahruferstraße, neue gebündelte Parkplätze für Alltag und Veranstaltungen

Gesamtkosten: ca. 4,18 Mio. Euro

Der Bereich Ahrweiler - Leben am Fluss neu gedacht

Nach der Flut 2021 wird der Ahrbereich in Ahrweiler umfassend neu gestaltet. Ziel ist es, Hochwasserschutz, Verkehr, Aufenthaltsqualität und Stadtklima nachhaltig zu verbessern.

  • Gewässerumbau: Beidseitige Aufweitung der Ahr und neue Hochwasserschutzmauern

  • Carl-von-Ehrenwall-Allee: Prallwand und Brüstungsmauer für eine moderne, grüne und geschützte Verkehrsachse; Neubau der Obertorbrücke als Hubbrücke ab 2026

  • Ahrtorplatz: Neugestaltung des Parkplatzes mit rund 100 Stellplätzen und Fläche für Märkte und Feste; Aufwertung des Ahrtor-Vorplatzes mit mehr Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung; Erneuerung der Friedrichstraße und zusätzliche Begrünung in den Wallanlagen

  • Spiel- und Sportbereich Ramersbacher Straße: neuer Spiel- und Sportbereich mit Spielplatz, Boule-Anlage, Laufbahn, Kleinspielfeld und Fußballplatz mit Tribüne; barrierearme Gestaltung

  • Campingplatz: Neuordnung des Wohnmobilstellplatzes (28 Plätze) in naturnaher Auenstruktur 

Gesamtkosten: ca. 31,8 Mio. Euro

Der Bereich Bachem - Ökologische Aufwertung trifft Hochwasserschutz

Der Ahrbereich in Bachem wird naturnah, hochwasserangepasst und ökologisch aufgewertet neu gestaltet. 

  • Gewässerumbau: Aufweitung der Ahr , Absenkung der Vorlandflächen, Entwicklung einer Niedrigwasserrinne und Sicherung der Steilufer durch Ufermauern, Bohrpfahlwand und Spundwand zur Hangsicherung

  • Nordufer - Otlerstraße und Ahrallee: Uferschutzmauern, Radweg direkt am Ufer und getrennt vom Gehweg, Treppenanlage als Zugang zur Ahr in der Ahrallee

  • Südufer:  Uferschutzmauer im Bereich Schwimmbad, Renaturierung und leichte Verlegung der Mündung des Bachemer Bachs, Pflanzung klimaresilienter Baumarten, ökologisch hochwertige und überflutbare Wiesenflächen, kombinierte Rad- und Gehwege

  • Piuswiese: Wiederherstellung von Teilen der Piuswiese als Versammlungsfläche und Uferwiese mit Erdwall

Gesamtkosten: ca. 29,27 Millionen Euro

Zusätzlich Starkregenvorsorge im Bachemer Wald: regelmäßige Ableitung von Wegen durch Rigolen (unterirdische Regenwasserspeicher) in die Waldfläche, Anlage flacher Flutmulden, Errichtung von Wasserbarrieren in Rinnen

Der Bereich Bad Neuenahr - Blühende Parkanlagen und Raum für alle

Bedingt durch die starken Wassermassen der Flut kam es in Bad Neuenahr zu erheblichen Schäden am Gewässerbett und am Ahr-Ufer. Die Wiederherstellung von Fluss und Freiräumen soll zu einer attraktiven, ökologisch wertvollen und nachhaltigen Gesamtstadt beitragen.

  • Gewässerumbau: Neu-Profilierung der Ahr-Sohle, maximale Aufweitung des Flusses, Sicherung der Ufer durch Schutzmauern und Erdwälle, Einbindung der Flächen als Retentionsräume

  • Wegeverbindungen: Auf der Ahr- Nordseite werden die Freianlagen durch den Ahrradweg sowie eine  Ahrpromenade verbunden. Im Süden verläuft ein kombinierter Geh- und Radweg. 

  • Rosengarten: Wiederherstellung der Wege und Wiesenflächen, Baum- und Strauchpflanzungen einschließlich Rosen, „Shared Space“ mit Begegnungsplätzen, größere Wiesenfläche zum Liegen, Spielen und Verweilen

  • Dahliengarten: Wiederherstellung in ursprünglichem Zustand, erneuerte Wege und Grünflächen, sanfte Mulde zur Versickerung von Regenwasser

  • Kaiserin-Auguste-Viktoria-Park: Sanierung und Umgestaltung, erneuerte Wegedecken, Neubau der Fußgängerbrücke über den Mühlenteich an der Antoniusstraße, naturnahe Ufergestaltung, Radweg entlang Schutzmauer und Erdwall,

  • Lenné-Park: Bereits erfolgt ist die Wiederherstellung der Tennisplätze, des Parterres Lennéschlösschen  und des Lindenhain; in Planunge ist die Sanierung des Brunnens und der Zugang zur Ahr mit breitem, flachem Ufer

  • Kaiser-Wilhelm-Park: Wiederherstellung der Wege entlang der Baumalleen, Instandsetzung historischer Möblierung (Bänke, Leuchten), neue Blühwiesen, Instandsetzung der Bogenschießanlage und des Bogenschützenhauses, Neuerschließung des Kriegerdenkmals, Wiederaufbau der Schwanenteichbrücke, zentrale Gedenkstätte ‚DenkAhr‘, Mühlenteich mit naturnahen Ufern, Wiederherstellung des Schwanenteichs mit einer zentralen Insel und Fontaine, neue Toilettenanlage

  • Gesamtkosten: noch festzulegen

Der Bereich im Osten des Stadtgebietes

Die Engstelle der Ahr entlang der B266 und der Bahnlinie zählt zu den besonders hochwassergefährdeten Bereichen und erfordert dringende Schutzmaßnahmen. Verantwortlich für die Gewässerwiederherstellung östlich der Berufsbildenden Schule ist der Landkreis Ahrweiler. Bereits umgesetzt wurde die Verlegung des Bahnhaltepunkts Heimersheim nach Lohrsdorf. Entlang der Bahngleise ensteht eine 900 Meter lange Stützwand zur Stabilisierung von Ahrufer und Bahntrasse. 

In den Lohrsdorfer Auen sollen die  natürlichen Gewässer- und Auenstruktur als Retentionsraum genutzt werden und Wege und Brücken wiederhergestellt werden. Für Heimersheim sind mehrere bauliche Hochwasserschutzmaßnahmen vorgesehen, darunter zwei Rückhaltebecken, Wegerhöhungen und Wegeseitengräben. Baubeginn: Erstes Halbjahr 2026.

Entwässerung "Ehlinger Senke": Da bei Starkregen Teile von Ehlingen nicht entwässert werden können, hat die Stadtverwaltung  Petitionen beim Petitionsausschuss des Bundestags eingereicht und setzt sich damit mit Nachdruck dafür ein, dass eine ordnungsgemäße Entwässerung der "Ehlinger Senke" durch den Damm der B266, beziehungsweise den Damm des Autobahnzubringers gewährleistet wird.

Beitritt zum Gewässerzweckverband beschlossen

Der Schutz vor Hochwasser ist die zentrale Zukunftsaufgabe für das gesamte Ahrtal. Wirkungsvolle Maßnahmen sind nur möglich, wenn der Wasserrückhalt frühzeitig im gesamten Einzugsgebiet erfolgt, unter anderem durch zahlreiche Rückhaltebecken am Oberlauf der Ahr.

Die Kommunen sind damit allein überfordert. Daher kann die Schaffung entsprechender baulicher und technischer Anlagen nur als Gemeinschaftsaufgabe aller Kommunen, des Landkreises und des Landes Rheinland-Pfalz bewerkstelligt werden. Wahrnehmen soll diese Aufgabe künftig der neue „Gewässerzweckverband Landkreis Ahrweiler“, der alle gewässerbezogenen Aufgaben der Kommunen, des Landkreises und des Landes im Kreis Ahrweiler übernimmt.

Der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler stimmte Gründung und Beitritt im November 2025 zu.  Nun hofft die Stadtverwaltung, dass auch in den Gremien der übrigen potentiellen Verbandsmitglieder zeitnah entsprechende Beschlüsse gefasst werden und die Gründung  vollzogen werden kann. 

Der Gewässerzweckverband soll einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Schutz von Leben, Eigentum und Infrastruktur im gesamten Kreis Ahrweiler leisten.