Baustellen-Reportage: Aloisius-Grundschule Ahrweiler

Es ist einer der ersten sonnigen Frühlingstage im April. Bevor man die Aloisius-Grundschule durch den Haupteingang betritt, fällt der Blick auf den Schulgarten, in dem leuchtende Tulpen blühen. Die meisten Schüler, die an diesem frühen Nachmittag noch in der Ganztagsbetreuung sind, hat es auf den hinter dem Gebäude liegenden Schulhof gezogen. Dort fallen zwei große Areale mit neuen Spielgeräten und der Soccer-Court direkt ins Auge. Beim ersten schnellen Blick sieht man die Spuren des Ahrhochwassers vom Juli 2021 nicht sofort.

Das ändert sich schlagartig beim Betreten des Untergeschosses. Zusammen mit Guido Will vom städtischen Grundstücks- und Gebäudemanagement und Architektin Kristina Kreyer vom Büro für Architektur, betrete ich den Baustellenbereich. Hier unten arbeiten zahlreiche Handwerker, immer wieder sind Maschinen zu hören.

„Das komplette Untergeschoß und der Kriechkeller standen unter Wasser,“ erinnert sich Will. Bis zu 100 Freiwillige täglich waren wochenlang im Einsatz, um Wasser und Schutt zu entfernen, den Wandputz abzuschlagen und den Estrich zu entfernen. Vier Wochen war im Kriechkeller ein Saugbagger im Einsatz, um den Schlamm zu entfernen. Die gesamte Heiz- und Haustechnik, traditionell im Keller untergebracht, war zerstört. Alle Leitungen für die Sanitäranlagen mussten freigespült werden. In der Sporthalle hatte sich durch das Wasser der Boden gehoben, sie war nicht mehr nutzbar. 

„Unser Ansatz war von Anfang an, dass wir so schnell wie möglich den Schulbetrieb wieder aufnehmen wollten,“ betonen die Beiden, die seit der Flutkatastrophe eng zusammenarbeiten. Durch einen gewaltigen Kraftakt aller Beteiligten war bereits nach den Sommerferien ein eingeschränkter Schulbetrieb wieder möglich. „Damals war es teilweise in der Schule für die Kinder sicherer als draußen,“ erinnert sich Will, denn es waren noch nicht alle Straßen beräumt und zahlreiche Brücken nicht mehr passierbar. Der Schulbetrieb bedeutete auch ein Stück Normalität für die Kinder.

Doch mancher Schaden wurde erst sichtbar, als die Arbeiten voranschritten. „Als der Putz entfernt worden war, konnte man sehen, dass das Mauerwerk schon vor der Flut feucht gewesen war,“ erinnert sich Kreyer. Das bedeutete, dass zunächst der Beton saniert werden musste und dass die Auswahl der für die Sanierung verwendeten Materialien besonders sorgfältig erfolgen muss.  Im Moment wird im Untergeschoß gerade in mehreren Schichten der neue Putz aufgetragen. „Dieser Putz, in dem Eierschalen enthalten sind, stammt aus Italien. Er wird u.a. in Venedig verwendet und der Hersteller gewährt 10 Jahre Garantie darauf,“ erläutert Kreyer. Er lässt das Mauerwerk atmen, so dass aufsteigende Feuchtigkeit nach außen abgegeben werden kann, ohne dass sich die Putzschicht löst.

Die Sanierung bei laufenden Schulbetrieb ist eine zusätzliche Herausforderung. Die neue Heizungsanlage ist bereits installiert, aber noch sind nicht alle Heizkörper angeschlossen bzw. Rohrleitungen erneuert. „Wir müssen das Ende der Heizperiode abwarten,“ erklärt Will. Die Heizungsanlage ist ein Stockwerk nach oben gewandert. Die zentrale technische Gebäudeausstattung, d.h. Elektrohauptverteilung, Netzwerktechnik und Durchsage- und Brandmeldeanlage, sind in einem Raum im Obergeschoss wieder aufgebaut worden. Im Untergeschoss entsteht eine Mensa. Der Ausgabetresen ist schon erkennbar, dahinter entsteht ein Küchenbereich und daneben Räume, in den die Kinder in zwei bis drei Schichten essen können. Außerdem entstehen im Untergeschoss Sanitärtrakte sowie Förder- und Bewegungsräume.

„Ab 2026 besteht ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung,“ sagt Will. Die jetzige Sanierung ist so geplant, dass die Schule den Anforderungen der kommenden Jahre entspricht. Es werden Maßnahmen umgesetzt, die dem Klimawandel geschuldet sind und es wird eine Rampe gebaut, um den barrierefreien Zugang zum Untergeschoss zu ermöglichen.

Während des Rundganges haben die Beiden ihre Augen überall. Architektin Kreyer, gebürtig aus Heimersheim, klärt mit einem Telefonat, ob die beobachteten Arbeiten ihre Richtigkeit haben. Der Hausmeister meldet Gesprächsbedarf an und Schulleiter Klaus Mührel erinnert daran, dass in einem der Klassenräume im Obergeschoss das Waschbecken noch nicht wieder funktioniert.

Derweil haben wir das Untergeschoss verlassen und sind auf dem Schulhof gelandet. Einige Kinder spielen auf den Spielgeräten, die der Förderverein der Schule bezahlt hat, oder nutzen den aufgemalten Straßenparcours für ein paar Runden im Kettcar. Dort wo kurz nach der Flut eine Feldküche zur Versorgung der Helfer stand, liegt ein buntes Meer aus Schultaschen. Wir verlassen den eingezäunten Schulhof und betreten die Sporthalle, die bereits seit September 2022 wieder nutzbar ist. Die Lehrerin hat gerade das Fußballtraining beendet und die Jungs räumen noch etwas auf. Kreyer hat auf ihrem Smartphone Bilder, die den Zustand der Sporthalle nach der Flut zeigen. Dass die Sporthalle bereits ein gutes Jahr nach der Flut wieder nutzbar war, war sowohl für den Schulsport als auch für die Vereine der Stadt ein wichtiger Meilenstein.

Zurück auf dem Schulhof erläutert Guido Will, wie die nächsten Schritte aussehen. „Wir sind gerade dabei, die Ausbaugewerke auszuschreiben,“ sagt er., d.h. die Türen, die Malerarbeiten, die Bodenbeläge. Das Untergeschoss wird in verschieden Abschnitte geteilt, denn die Mensa hat Vorrang. Wenn alles klappt, können die Arbeiten Ende des Jahres beginnen und sind dann hoffentlich im Herbst 2025 abgeschlossen. „Es ist Land in Sicht!“ freut er sich.     

Über die Autorin:

Kerstin Sievert
Freie Journalistin

Aufgewachsen in Bremen, hat Kerstin Sievert nach dem Abitur für Ausbildung und Berufstätigkeit in verschiedenen Städten gelebt. Nach einem Auslandsaufenthalt ist ins Rheinland gekommen und lebt seit 2005 in Bonn. Sie ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.